September 09

Kürzlich war ich für einen Moment wütend. Ich schätze mich ja selbst als liberalen Menschenfreund ein. Jedem das Seine, ist mein Motto. Ich freue ich mich daran, wenn Menschen wachsen und ihre Visionen in Taten umsetzen… solange sie fair play spielen. Leider scheinen Ethik und Moral für viele Fremdworte zu sein. Wenn ich sehe, welcher Mittel sich Mancher bedient, nur um seine Felle zu sichern, überkommt mich das kalte Grausen. Ich kenne da zum Beispiel einen „Chef“, der seinen Mitarbeitern nie Gehälter zahlt. Dass die armen Leutchen weder Miete noch Brot berappen können, interessiert ihn nicht. Er hat ja ein Haus. Einen dicken Mercedes auch. Außerdem muss er erst mal Urlaub machen… Was tun? Anwalt nehmen? Das sollten wir uns gut überlegen. Für ein anwaltliches Schreiben hat ein Freund kürzlich 500,00 Euro zahlen müssen. Und das hatte keinen Goldrand. Komisch! Schade, dass wir das nicht von der Steuer absetzen können. Rechnet kleiner Mann nur ein paar Schuhe zuviel ab, drohen ihm schnell schwedische Gardienen. Kindesmissbrauch kommt da weit besser weg. Frei sind wir erst ab 1 Million jährlich. Da gucken Gesetz & Fiskus nicht mehr so genau hin. Champus, Hummer, Shrimps? Immer schön rauf auf die Rechnung. Ist doch ne soziale Sitzung vom „Häkelverein“… da darf man das. Lachen ins frisch manikürte Fäustchen inklusive. Mitgefühl für den Normalbürger? Keine Spur. Soll der doch sein Harz 4 Menü kochen. Wer setzt sich schon mit Unterklasse – Niveau auseinander? Da schaut man lieber nach neuen „Alten“ und tauscht Liebesdienste gegen Diamanten. Gibst du mir, geb ich dir, heißt das Geschäft. Wer nicht mitspielt, kann gehen. Gefühle? Fehlanzeige. Verletzte Tiere werden nur getötet. Jesus sagte einmal:“… denn sie wissen nicht was sie tun.“ Damit verteidigte er seine Peiniger vor Gott. Auch wenn ich Ateist bin, bitte ich Dich: „Jesus, wenn Du mich hörst. Vergib mir, wenn ich ab und zu wütend bin. Würde ich nicht schreien, müsste ich weinen. Deine gütigen Worte haben leider (noch) nichts an Bedeutung verloren…“

 
 
 

Foto: Linda Oberpaul

Foto: Linda Oberpaul

 

 

 

 

 

 

 

 

Juli 09

Wieder ist ein Flugzeug abgestürzt. Das Dritte in Folge. Wieder sind über 160 Menschen auf einen Schlag tot. Schrecklich. Mir stand die Gänsehaut waagerecht als ich das hörte. Kurz davor hatte ich mich noch gefragt, wie geht es in meinem Leben wohl weiter? Was ist jetzt das Beste für mich? Ich fühlte eine Art Stillstand und wollte wieder in Bewegung kommen… Welcher Affront, dachte ich im ersten Moment. Quatsch, im Zweiten. Es ist doch gut, wenn ich über mich und das Leben nachdenke. Mich zu neuem Handeln animiere. Loslegen will. Es kann so schnell vorbei sein. Für jeden von uns. Ob wir in einer Maschine sitzen oder uns der Blumentopf auf den Kopf fällt. Wenn unsere Zeit gekommen ist, ist es zum leben zu spät. Denken wir also jetzt. Handeln wir gleich. Sagen wir vor allem den Menschen, die wir lieben, wie viel sie uns bedeuten. Und wie sehr sie uns fehlen, wenn sie nicht bei uns sind. Sprechen wir aus, was uns schon lange auf der Zunge liegt. Bringen wir Unklarheiten in Ordnung und machen wir unsere Seele frei. Was wissen wir schon, wie viel Zeit wir haben? Es gibt einen schönen Satz: „Was würdest du tun, wenn morgen Ende ist…wenn Dein Leben Dich vergisst. Was würdest Du tun?“ Meist stellen wir uns nur in Hiobsmomenten solchen Fragen. Schade eigentlich. Denn im Grunde gilt dieses Motto täglich. Die Menschen, die heute in Teheran ins Flugzeug gestiegen sind, haben sicher auch nicht anders gedacht als wir. Zollen wir ihren Seelen Respekt und denken wir einen Moment lang über uns nach. Sind wir wirklich rundum glücklich? Oder würden wir doch gern etwas anders haben/machen? Waren wir immer liebevoll genug zu unserem Partner? Haben wir unsere Kinder oft genug gedrückt? Wollen wir vielleicht noch weitere Kinder haben? Gibt es Menschen, mit denen wir uns aussprechen wollen? Eine Liebe, die es zu untermauern gilt, oder etwas zu versöhnen? Welches Gefühle uns jetzt auch übermannen… wir können sie (noch) leben. Carpe diem!

Bild: Linda Oberpaul

Bild: Linda Oberpaul

 

 

 

 

 

 

 

 

 

michaelJuni 09

Ich habe heute erst gegen Mittag erfahren, dass Michael Jackson gestorben ist. Ich konnte es anfangs nicht glauben. Michael Jackson - tot? Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Nicht er. Nicht jetzt. Irgendetwas in mir wehrte sich, diesen Gedanken zuzulassen. Ich war so wahnsinnig traurig. Warum? Weil er gestorben ist? Nein. Endlich kann seine geschundene Seele zur Ruhe kommen. Was mich so traurig gemacht hat, war der Gedanke, dass ihm nicht mehr als Erfolg in diesem Leben vergönnt war. Wenn ich an all die Vorwürfe gegen ihn denke, schmerzt es mich. Er ist sonderbar. Eigenartig. Mit dem stimmt doch was nicht… hieß es. Was dieser Mann auch tat, wurde seziert, angeprangert und verrissen. Gedrillt, benutzt, mißbraucht, verfolgt. Eine gebrochene Kinderseele auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit… stetig unter dem Druck der Öffentlichkeit. Wer von uns hätte dieses Leben ausgehalten? Alles hat seinen Preis. Ich finde, Michael Jackson hat einen sehr Hohen bezahlt. Er hat den Traum vieler Menschen gelebt … doch war es wirklich auch sein Eigener? Seine Musik hat Menschen auf der ganzen Welt berührt. Musik war sein Ausdrucksmittel. Mit ihr hat er uns in seine Welt geholt. Wenn ich mir die Lieder von ihm so anhöre, muß sie aus viel Mitgefühl, Verständnis und Liebe … und nicht zuletzt… einer großen Portion reinster Naivität bestanden haben. Nur die Tugend der Unschuld erklärt für mich, dass er den Wahnsinn überhaupt 50 Jahre lang ausgehalten hat. Er war der King of Pop… ein Star, der außen ganz groß und innen ganz klein geblieben schien. Sein Leben war ein echter Thriller. Ich persönlich hoffe, dass er gestern von oben gesehen hat… wie die Welt zu seinen Rythmen tobte. Das ist das Mindeste, was er verdient hätte… nen riesengroßes Kinderspielparadies vom lieben Gott inklusive. Hau rein Michael, alter Junge. Spiel ab jetzt so lange Du willst…  I´ll be missing you.

In Memory of Michael Jackson    

           

                       

Mai 09

Wenn wir aus eigener Kraft einen Neubeginn wagen, fällt es leicht, uns von Altem zu lösen. Wahrscheinlich hat das jeder von uns schon mal erlebt. Wenn die Zeit reif war, sind wir los gegangen und haben mit Freude neu angefangen. Doch wehe dem, der die Zeit verpasst. Nicht wahr haben will, was die Stunde geschlagen hat. Dann werden wir zur Handlung gezwungen. Müssen wir Kompromisse eingehen, die wir nicht wollen, ungeliebte Alternativen in Erwägung ziehen und uns vielleicht ein vollkommen neues Weltbild schaffen. Vielleicht stehen wir plötzlich ohne Job da? Der Partner ist mit den Kindern über Nacht gegangen, die Bank versteigert unser Haus? Wir haben einen Unfall oder erfahren, dass wir jahrelang belogen wurden? Wenn die Umstände für uns handeln, erscheint es uns immer als Unglück. Plötzlich ist alles weg. Sicherheit, Geborgenheit, Vertrauen… wir fühlen uns nackt und schutzlos. Der Gedanke, dass es nie mehr so sein wird wie vorher, macht Angst. Warum tut das Schicksal uns sowas an? Ich stelle mir das Leben gern als Verkehrsnetz vor. Offenbar haben wir verpasst, an einer früheren Kreuzung richtig abzubiegen, und sind in die falsche Richtung gefahren. Egal wieviel Mühe wir uns auf diesem Weg auch gegeben haben… er blieb der Falsche. Wenn wir uns zu weit von uns selbst entfernen, zuviel Sprit verlieren, bremst uns das Schicksal aus. Es überfährt uns und hilft, uns wieder auf die richtige Spur zu bringen. Sicher hat es vorher mehrmals Strafzettel und Punkte verteilt… doch wer die ignoriert, bekommt irgendwann die Fahrerlaubnis entzogen. Ein guter Moment, unsere Prioritäten im Leben zu überdenken. Wo will ich eigentlich hin? Jeder, der seinen Führerschein mal für ein paar Wochen los war, kennt das herrliche Gefühl, endlich wieder am Steuer sitzen zu dürfen. Wie ein Fahranfänger, erobern wir die Welt aus neuer Sicht.  Nur dass wir “alte Hasen“ zusätzlich  jede Menge Erfahrungen im Gepäck haben. Dies lässt uns das Steuer sicherer lenken denn je…

Foto: Linda Oberpaul 

 Foto: Linda Oberpaul
 

One Response to “Meine Kolumne”

  1. Elke Says:

    Ja, so ist das wohl. Der Vergleich mit dem Verkehrsnetz ist super. Nur leider sieht man – zumindest ist es bei mir so – in dem Moment, wo die „Fahrerlaubnis entzogen“ wird und das Schicksal unsere Wege lenkt, dies alles andere als positiv:)
    Schön, wenn man sich dann vertrauensvoll zurücklehnen kann und weiß: Alles hat seinen Sinn und alles geschieht (letztendlich) zu meinem Besten.

    Eine sehr gelungene, schöne Homepage.
    Danke für Ihre herzliche Offenheit … weiter so:)


Leave a Reply